Wendt & Kühn KG
Handmade in Germany World Tour
Brief
Wendt & Kühn fertigt seit über 100 Jahren Figuren und Spieldosen im Erzgebirge in Sachsen. Die handwerkliche Tradition der Manufaktur ist unverwechselbar: weiche Formen, charakteristische Farben und vor allem das aufwändig verarbeitete Holz schaffen Objekte, die von einer heimatlichen Wärme leben. Für die internationale Tour „Handmade in Germany", die 100 deutsche Manufakturen einem Fachpublikum vorstellt, suchte Wendt & Kühn einen Auftritt, der diese Wärme räumlich übersetzt, ohne ins Folkloristische zu kippen.
Die Aufgabe an DBSX war, ein Display-Konzept zu entwickeln, das die handwerkliche Substanz der Manufaktur sichtbar macht und gleichzeitig die feinen, oft kleinformatigen Figuren als eigenständige Objekte respektiert. Standardvitrinen wären für diese Verbindung aus Materialität und Erinnerungskultur unter dem Anspruch der Manufaktur geblieben.
Konzept
Die räumliche These leitet sich aus dem Material ab: Holz. Wer eine Wendt-&-Kühn-Figur betrachtet, sieht ein hochverarbeitetes Holzobjekt mit feiner Bemalung. Was er nicht sieht, ist der Prozess dahinter, die vielen Werkstattschichten, in denen aus Rohholz das fertige Stück entsteht. Genau diesen unsichtbaren Prozess machen wir zum räumlichen Anker des Displays.
Die Figuren werden über einem Bett aus Holzspänen präsentiert, dem buchstäblichen Nachlass ihrer eigenen Fertigung. Die Holzspäne sind nicht Dekoration, sondern Material-Zeugnis. Sie verbinden die fertige Figur sichtbar mit ihrer Werkstattgeschichte und zeigen die handwerkliche Tiefe der Manufaktur, ohne dass ein erklärender Text notwendig wäre.
Realisierung
Hauptelement des Displays ist die Inszenierung der Figuren über einem flächigen Bett aus echten Holzspänen. Die Figuren schweben optisch über dem Materialfeld, gehalten von filigranen Sockeln, die sich räumlich zurücknehmen. Diese Konstellation erzeugt eine fast museale Aufmerksamkeit: Besucher erkennen sofort, dass hier nicht Produkte zum Verkauf präsentiert werden, sondern handwerkliche Objekte mit Eigenwert.
Materialwelt und Lichtkonzept folgen der Reduktion. Warmes Akzentlicht hebt die Bemalung der Figuren hervor, ohne sie ins Plakative zu drücken. Die Holzspäne fangen das Streiflicht ein und erzeugen eine atmosphärische Tiefe, die das gesamte Display in einen kontemplativen Modus versetzt. Die Realisierung erfolgte durch einen Bau-Partner mit Erfahrung in Ausstellungs- und Manufaktur-Inszenierung.
Wirkung
Im Tour-Kontext mit 100 anderen Manufakturen sticht der Wendt-&-Kühn-Stand durch seine atmosphärische Tiefe heraus. Besucher verweilen länger als an klassisch ausgeleuchteten Vitrinen, weil das Material-Setting eine Geschichte erzählt, die über die einzelne Figur hinausgeht. Die Verbindung von fertigem Objekt und seinem Werkstattmaterial zeigt eine handwerkliche Ehrlichkeit, die im Premium-Manufaktur-Segment immer seltener wird.
Für Wendt & Kühn wurde damit ein Auftritt geschaffen, der die Werte der Manufaktur räumlich beglaubigt: Tradition, Materialtiefe, handwerkliche Konsequenz. Für DBSX war das Projekt ein Beispiel dafür, wie ein einziges Material-Element, hier die Holzspäne, ein gesamtes Display tragen kann, wenn die räumliche These konsequent durchgehalten wird.
Die internationale Ausstellung „Handmade in Germany" zeigt mit 100 wichtigen deutschen Manufakturen eine konzentrierte Sammlung deutscher Qualitätsproduktion in allen Disziplinen.