Ausstellung zur Arbeitsweise des Stasi-Unterlagen-Archivs
Wettbewerbsbeitrag
Briefing
Das Stasi-Unterlagen-Archiv in Berlin ist eine der bedeutendsten zeithistorischen Institutionen Deutschlands. Es verwahrt die Akten, Fotos und Audiomedien des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR und macht sie für historische Forschung, Aufklärung und persönliche Akteneinsicht zugänglich. Für eine neue Ausstellung zur Arbeitsweise des Archivs schrieb die Institution einen Wettbewerb aus, an dem sich DBSX mit einem Konzept beteiligte.
Die Aufgabe war besonders, weil sie keine Markenkommunikation im klassischen Sinne ist, sondern eine inhaltliche Vermittlungsarbeit. Wie zeigt man die Arbeit eines Archivs räumlich, so dass Besucher die historische Schwere des Materials und die Präzision der heutigen Aufarbeitung gleichermaßen verstehen?
Konzept
Die räumliche These leitet sich aus dem prägendsten visuellen Element des Archivs ab: dem Regal. Wer an das Stasi-Unterlagen-Archiv denkt, sieht endlose Reihen von Regalen, die mit Akten, Papieren, Fotos und Audiomedien gefüllt sind. Dieses Bild ist emotional stark aufgeladen und im kollektiven Gedächtnis verankert. Statt es zu umgehen, machen wir es zum Hauptelement der Ausstellungsarchitektur.
Die Atmosphäre der denkmalgeschützten Räumlichkeiten, in denen die Ausstellung gezeigt werden soll, hat eine eigene zeithistorische Schwere: gedämpfte Beleuchtung, gelb-graue Wandfarben, eine Patina aus Jahrzehnten. Wir ergänzen diese vorhandene Materialwelt mit einem präzise abgestimmten zeitgenössischen Grünton. Dieser Eingriff signalisiert, dass die Ausstellung kein museales Denkmal vergangener Zeiten ist, sondern eine aktive Auseinandersetzung mit Gegenwartsrelevanz.
Geplante Umsetzung
Hauptelement der Ausstellung sind Regalreihen mit Akten-Attrappen aus Keramik. Die Materialwahl ist bewusst: Keramik bringt eine handwerkliche Ernsthaftigkeit ins Bild, die zur Dignität des Originalmaterials passt. Gleichzeitig signalisiert sie, dass es sich um eine Inszenierung handelt, nicht um Original-Akten. Diese ehrliche Doppelung ist wichtig für die kuratorische Glaubwürdigkeit.
Die Regalreihen dienen als Basis für Deskriptionstafeln und Exponate. Sie geben der Ausstellung eine räumliche Logik, in der sich Besucher intuitiv bewegen können. Die Lichtplanung folgt der atmosphärischen Schwere des Themas: gedämpfte Grundbeleuchtung, akzentuierte Spots auf den einzelnen Exponaten, gezielte Schattenführung, die Tiefe erzeugt.
Wirkung
Das Konzept überträgt das emotional aufgeladene Bild des Archivs in eine räumliche Sprache, die Besucher andächtig durch die Ausstellung führt. Die Mischung aus denkmalgeschützter Substanz, zeitgenössischem Grünton und keramischen Akten-Regalen schafft eine Atmosphäre, die weder museal-distanziert noch reißerisch-emotional ist. Sie ermöglicht eine Auseinandersetzung mit dem Material, die der historischen Schwere gerecht wird und gleichzeitig den Bezug zur Gegenwart aufrechterhält.
Für das Stasi-Unterlagen-Archiv liefert das Konzept eine Ausstellungsarchitektur, die den eigentlichen Inhalt nicht überlagert, sondern ihm einen würdigen räumlichen Rahmen gibt. Diese Disziplin, das räumliche Konzept so zu setzen, dass es dem Inhalt dient und nicht über ihm steht, ist eine der zentralen Aufgaben im Exhibition Design.