Handmade in Germany World Tour
Hedwig Bollhagen GmbH
Briefing
Hedwig Bollhagen gilt als eine der bedeutendsten Keramik-Designerinnen Deutschlands. Bis heute durchläuft jedes Keramikobjekt in den HB-Werkstätten in Marwitz einen komplexen Herstellungsprozess und geht bis zu 60 Mal durch die Hände der Fabrikanten. Für die internationale Tour „Handmade in Germany", die in einem kuratierten Format 100 deutsche Manufakturen einem internationalen Fachpublikum vorstellt, suchte die Manufaktur einen Auftritt, der diese Werkstatt-Tradition nicht als Hintergrund, sondern als räumliches Erzählmittel einsetzt.
Die Aufgabe an DBSX bestand darin, ein Display-Konzept zu entwickeln, das die handwerkliche Tiefe der Manufaktur in einer Form übersetzt, die im internationalen Tour-Kontext sofort lesbar ist. Standardmäßige Vitrinen-Präsentationen wären für die Manufaktur unter ihrem Anspruch, weil sie das eigentliche Differenzierungsmerkmal, die jahrzehntelange Handarbeit am einzelnen Objekt, räumlich nicht erzählen.
Konzept
Die räumliche These war einfach: Die Werkstatt selbst wird zum Ausstellungsraum. Statt die Manufaktur durch Produktdarstellung zu repräsentieren, übersetzt das Display die atmosphärische und materielle Welt der HB-Werkstätten direkt in den Tour-Stand. Besucher sollten nicht zuerst die fertigen Keramiken sehen, sondern den Ort, an dem sie entstehen.
Materialwelt und Inszenierung wurden bewusst reduziert. Warmes Holz, gebrochenes Weiß und gezielt eingesetzte Glasflächen formen die räumliche Sprache. Mehr nicht. Diese Disziplin ist die Voraussetzung dafür, dass die einzelnen Keramikobjekte in der Sequenz zu Hauptakteuren werden. Eine vielfältigere Materialwelt hätte die Wahrnehmung auf die räumliche Inszenierung gelenkt und das Produkt entwertet.
Realisierung
Hauptelement des Displays sind originale Produktionsobjekte aus der Manufaktur in Marwitz. Rustikale, vom Gebrauch gezeichnete Holzregale, in denen über Jahrzehnte Rohlinge, Glasuren und Werkzeuge gelagert wurden, wurden in den Tour-Stand transportiert und als Präsentationsflächen umgewidmet. Sie tragen Spuren von Ton, Glasur und Bearbeitung. Diese Patina ist nicht Inszenierung, sondern Realität, und genau deshalb funktioniert sie räumlich.
Im Zentrum der Präsentation steht Hedwig Bollhagens berühmte Vase, die auf der Weltausstellung in Paris 1937 mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Zusammen mit der Töpferscheibe, auf der sie entstand, bildet sie den symbolischen Anker des Displays. Die Sequenz Werkzeug zu Werkstatt-Regal zu fertigem Objekt erzählt die handwerkliche Entstehung in einer klaren räumlichen Choreografie.
Die Lichtplanung wurde früh in der Konzeptphase mitgedacht. Eine warme, dezentral akzentuierende Lichtführung hebt die einzelnen Keramikstücke aus dem Werkstattkontext heraus, ohne sie aus ihm zu lösen. Die Realisierung erfolgte durch einen Bau-Partner mit Erfahrung in Museums- und Ausstellungsdesign, der die handwerkliche Detailqualität der Holzregale und der angeschlossenen Vitrinenelemente verlässlich umsetzen konnte.
Wirkung
Im Tour-Kontext mit 100 anderen Manufakturen ist die Aufmerksamkeitsökonomie streng. Besucher entscheiden in Sekunden, ob sie sich auf einen Stand einlassen oder weitergehen. Das Hedwig-Bollhagen-Display funktioniert in dieser Logik, weil es nicht versucht, lauter als andere zu sein, sondern eine atmosphärische Tiefe anbietet, die in der Tour-Umgebung sofort als Differenz wahrnehmbar wird. Wer den Stand betritt, erkennt im ersten Moment, dass hier eine gewachsene Manufaktur vorgestellt wird und nicht ein Sortiment.
Für Hedwig Bollhagen wurde damit ein Auftritt geschaffen, der das eigene Selbstverständnis räumlich beglaubigt. Die Manufaktur erscheint im internationalen Kontext nicht als Produktanbieter, sondern als Tradition mit eigener Werkstattkultur. Für die anschließende Markenkommunikation und Pressearbeit lieferte das Display eine räumliche Sprache, die in weitere Formate übersetzt werden konnte.
Die internationale Ausstellung „Handmade in Germany" zeigt mit 100 wichtigen deutschen Manufakturen eine konzentrierte Sammlung deutscher Qualitätsproduktion in allen Disziplinen.